Hertener Initiative zur Förderung von Kunst im öffentlichen Raum

GUT Herten on tour beim KUNST.SPAZIERGANG am 25. April

Es war alles gute Kunst und nichts konnte weg. So könnte man das Ergebnis eines KUNST.SPAZIERGANGs beschreiben, den die Initiative STADT.KUNST am Dienstag, den 25. April in Hertens Innenstadt für den „Unternehmer und Gründertreff GUT Herten“ durchgeführt hat.

Wolfgang Seidel, der 2011 die Initiative mit gegründet hat, fand bei seinen Erläuterungen zu den zwei besuchten Kunstwerken aufmerksame und interessierte Zuhörer, die sich mitnehmen ließen in die ihnen wenig vertrauten Gefilde der Kunst im öffentlichen Raum in ihrer Stadt.

Erstes Objekt auf dem KUNST.SPAZIERGANG war der „Große Summstein“ von Hugo Kükelhaus (1900 – 1984). Seidel erläuterte, dass es sich hierbei um eine von 200 als „hervorragende Kunstwerke im öffentlichen Raum“ in NRW“ jurierte Skulptur handele, so die Einschätzung des Kultursekretariats NRW in Gütersloh im Jahr 2012. Damit ist sie natürlich auch unter den 45 Objekten im öffentlichen Raum der Stadt eine der bedeutendsten. Aufgestellt wurde der 8,5 t schwere und fast 5 m hohe Natursteinblock im Jahr 1994. Warum diese bedeutsame Kunst fast unauffindbar im Innenhof des Glashauses ihren Platz hat, interessierte die Teilnehmer. Seidel erklärte, dass ursprünglich dieser Bereich als Ort der Begegnung und für Veranstaltungen genutzt werden sollte, aber letztlich die Ruheinteressen der Anwohner Vorrang erhielten.

Die Frage nach dem Titel „Summstein“ für das Kunstwerk erklärte sich schnell, nachdem eine Teilnehmerin ihren Kopf in eine der beiden Aussparungen im Stein steckte und beim Summen die Resonanzen am ganzen Körper spürte. Die tieferliegende künstlerische Absicht von Kükelhaus, so erläuterte Seidel, ist die sinnliche Erfahrung. Diese Idee des Wiederbelebens der menschlichen Sinne war stark geprägt von seinem industrielles Lebensumfeld in seiner Geburtsstadt Essen und bestimmte seine weitere Arbeit als Künstler, Pädagoge und Psychologe. Sie gipfelte darin, dass er bei der Weltausstellung 1967 in Montreal im Deutschen Pavillon sein „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ vorstellte. Tasten, Hören, Riechen, Sehen, Schmecken, Balancieren – die rund 40 Stationen seines Parcours boten den Besucherinnen und Besuchern eine Fülle spannender Erfahrungen. Das Versuchsfeld ging weltweit auf Wanderschaft und machte Hugo Kükelhaus im In- und Ausland bekannt.

Die Annäherung der Gruppe an Heinrich Brockmeiers Skulptur „Miteinander“ aus dem Aufstellungsjahr 1999 erfolgte in Schritten, um das Kunstwerk im Maßstabswechsel wahrzunehmen. Erst bei der langsamen Umrundung der zwei versetzt nebeneinander stehenden quadratischen Stelen löste sich die Skulptur für den Betrachter auf: Zwischen jeweils drei Edelstahlquader stehen dichtgedrängt Menschengruppen in Fünfer-Reihen, jeweils 25 Bronzefiguren, im Wechsel männlich und weiblich, erst bei genauerem Hinsehen zeigen sich geringe Unterschiede bei den einzelnen Figuren.

Ganz im Unterschied zu Hugo Heinrich Brockmeier, 1937 in Berlin geboren und in Recklinghausen lebend, seiner Arbeit „Miteinander“ einen allgemein gehaltenen Titel gegeben, der Raum für Interpretationen und Assoziationen offenlässt. Und so fragten sich auch die Teilnehmer, ob die allgemein gängige Interpretation, dass es sich um den Ausdruck von Nähe, Geschlossenheit und eben Miteinander der Menschen handele – nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ – oder ob dieser Titel auch ironisch gemeint sein könne und vielmehr Uniformität, Isolation trotz Vielzahl und Verlust der Individualität in der modernen Gesellschaft ausgedrückt werden solle.

Diese Frage blieb für jede und jeden selbst zu beantworten. Im Anschluss an den KUNST.SPAZIERGANG und an die Anschauung am realen Kunstobjekt stellt Seidel dann im Kaiserhof die Arbeit der seit 12 Jahren existierenden Initiative STADT.KUNST vor mit den Vermittlungsformen des KUNST.SPAZIERGANGs, des KUNST.GESPRÄCHs und den eigenen KUNST.IMPULSEN, also von der Initiative durchgeführte temporäre Kunstereignisse in der Stadt. Besonders machte er auf das laufende Projekt „EatArt Connections – Buffet am Wasserschloss“ aufmerksam und lud alle zu den weiteren Veranstaltungen dieses Projektes, vor allem zum abschließenden Buffet am 3. September ein.       

www.stadtkunst-herten.de

GUT Herten on tour  © Brigitte Berkau

 

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