Hertener Initiative zur Förderung von Kunst im öffentlichen Raum

EatArt – Erleben, wo und wie zeitbasierte Kunst entsteht

Interessierte können Sonja Alhäusers Eat Art-Projekt bei Kunstspaziergang und -gespräch in der Schlossanlage näherkommen

Herten. Für das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) geförderte Kulturprojekt „Eat Art Connections“ der Initiative Stadt.Kunst Herten sowie des Vereins Wasserschloss Reelkirchen e.V. öffnet sich im April der Vorhang zum ersten Akt. Zwar müssen sich Interessierte noch bis Anfang September gedulden, bis die Berliner Künstlerin Sonja Alhäuser unter dem Titel „Buffet am Wasserschloss“ ihr Bankett aus Fragmenten der ehemaligen Orangerie gepaart mit Lebensmitteln aus der Region für die Öffentlichkeit am Schloss Herten auftischt. Doch zum Entstehungsprozess ihrer Kunst auf Zeit gehört mehr. Viel mehr. Deshalb startet schon jetzt ein hochkarätiges begleitendes Rahmenprogramm.

Kunstspaziergang und -gespräch mit Sonja Alhäuser machen am 20. April den Auftakt

Schon vor Jahren hat die Initiative Stadt.Kunst mit dem KUNST.SPAZIERGANG und dem KUNST.GESPRÄCH zwei Formate etabliert, um „vorhandene Kunst zu vermitteln, Kunst-Schätze der Stadt zu heben und eigene Impulse zur Kunst im öffentlichen Raum zu setzen.“ Einen passenden Auftakt bietet das aktuelle Projekt „Eat Art Connections“ dementsprechend am 20. April: Sowohl den kunstinteressierten Bürgerinnen und Bürgern als auch der Fachwelt werden bei einem Spaziergang Orangerie, Park und Wasserschloss vorgestellt. Los geht es um 17 Uhr an der Orangerie. Im anschließenden Gespräch der Künstlerin Sonja Alhäuser mit der Kunsthistorikerin Dr. Ina Jessen erfährt das Publikum, welche Faszination und Beweggründe hinter einer vergänglichen Skulptur als zeitbasierter Kunst stecken, und was für ein künstlerisches Buffet am 3. September zum Abschluss des Projektes zu erwarten ist. Dieses Gespräch findet um 18.30 Uhr in der Schlosskapelle statt.

Kunsthistorikerin Dr. Ina Jessen begleitet Alhäusers Arbeit schon lange

Am Anfang von Alhäusers Arbeit stehe die Perfektion, die sich durch das Verspeisen auflöse, ihre Kunst abstrakt mache, sagt Kuratorin Katrin Wegemann von der Initiative Stadt.Kunst Herten über das geplante „Buffet am Wasserschloss“. Zeitbasierte Kunst. „Wie ein Feuerwerk!“  Diesem Feuerwerk nähert sich Dr. Ina Jessen auf behutsame Art. Die Kunsthistorikerin begleitet das Schaffen von Sonja Alhäuser bereits seit Jahren und hat die Künstlerin im Februar 2021 in ihrem Berliner Atelier ausführlich interviewt. Alhäusers „Buffet am Wasserschloss“ lebt davon, dass viele helfende Hände beteiligt sind und als Dank Teil des Ganzen werden. Auch dies soll im Kunstgespräch vermittelt und gerne diskutiert werden.

Flanieren rund ums Schloss, dem einstigen Stammsitz der Familie Nesselrode

Wie könnte man eine zeitbasierte Installation wie das Buffet besser bewerben, als durch den Ort des Geschehens zu flanieren? Noch immer zeugen Reste eines massiven Bergfrieds im Keller des1376 erstmals urkundlich erwähnten Hertener Schlosses von dem Wehrcharakter der ehemals kleinen Burganlage, die 1529 durch Heirat in den Besitz des Adelsgeschlechts Nesselrode kam und nach einem schweren Brand 1687 als Residenz wieder aufgebaut wurde. Nach dem ersten Weltkrieg verlegte die gräfliche Familie 1920 allerdings den Wohnsitz zum Schloss Herrnstein im Rhein-Sieg-Kreis. Seitdem war das Schloss weitgehend unbewohnt und die Anlage verfiel immer mehr.

LWL machte Sanierung und Parköffnung erst möglich 

Jahrhundertelang war die Anlage als Privatbesitz für die Öffentlichkeit unzugänglich. „Das letzte Paradies“, wie der Park genannt wurde, öffnete seine Tore erst am 28. Juli 1974 für alle, nachdem der LWL das Schloss samt Park erwarb, mit Hilfe des Landes NRW restaurierte und endlich für die Bevölkerung zugänglich machte. Inzwischen ist der Park im Besitz der Stadt Herten und nach umfassender Überarbeitung zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 wieder ein Schmuckstück, in dem sowohl die ursprünglich barocke Anlage als auch die Elemente eines englischen Landschaftsparks erkennbar sind. Auf rund 30 Hektar besticht hier die botanische Vielfalt mit mehr als 200 Baumarten. Als Veranstaltungsort hat sich der Park ebenfalls etabliert – so dass sich der Kreis hier schließt.

Rauschende Feste in der Orangerie – damals wie heute

Auch in der Orangerie wurden Feste und Casinoabende gefeiert. Sie stammt noch aus der barocken Gestaltungsphase der Schlossanlage und wurde 1725 nach französischem Vorbild gegenüber dem Schloss errichtet. Verziert wurde sie durch eine Dachbalustrade aus Baumberger Sandstein mit zwölf fast lebensgroßen Figuren aus der griechischen Mythologie, gestaltet von dem berühmten Münsteraner Bildhauer Johann Mauritz Gröninger. Reste der Figuren wurden Mitte der 70er Jahre gesichert, Abgüsse davon eingelagert. Jetzt sollen einige davon Teil von Sonja Alhäuser „Buffet am Wasserschloss“ werden.

Zerfall weist starke Parallelen zu Alhäusers Arbeit auf

Der Zerfall der Orangerie begann Anfang der 1920er Jahre – wegen fehlender Bauunterhaltung und starker Bergsenkungen. Heute ist nur noch die Ruine vorhanden, die aber auf Initiative eines Orangerie-Vereins gesichert wurde und dank eines neuen Daches wieder genutzt werden kann. Die Ruine hat durchaus ihren Charme und gewissermaßen Parallelen zu Sonja Alhäusers Kunst: „Bankette sind dazu bestimmt, gegessen zu werden, ehe die Lebensmittel verderben“, so die Künstlerin im Gespräch mit Dr. Ina Jessen. Das Vandalistische bei der Zerstörung des Buffets transportiere eine Schönheit vom liebevollen Anfertigen der Schildchen über das Entwickeln, Produzieren und Anrichten von Speisen, sagt Alhäuser, „damit sie essbar sind bis zu dem Zeitpunkt, an dem alles zusammenspielt und ich mich zugleich davon verabschieden muss.“ Bevor es so weit ist, bleibt aber noch eine Menge zu entdecken. 

Info:

Termine:

KUNST.SPAZIERGANG
Vorstellung der Orte Orangerie und Wasserschloss Herten
Donnerstag, 20. April .2023, 17 Uhr

Führung: Gregor Spohr und Wolfgang Seidel, Initiative STADT.KUNST
Treffpunkt: Orangerie, Im Schloßpark 1, 45699 Herten

KUNST.GESPRÄCH
Eröffnung: Bürgermeister Matthias Müller

Vortrag von Ina Jessen und Gespräch mit Sonja Alhäuser
Donnerstag, 20. April 2023, 18.30 Uhr
Treffpunkt: Schlosskapelle, Im Schloßpark 14, 45699 Herten

Die Schlosskapelle wird dankenswerterweise vom Eigentümer, der LWL-Klinik Herten, für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt.

www.stadtkunst-herten.de

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