Hertener Initiative zur Förderung von Kunst im öffentlichen Raum

Eat Art Connections – Buffet am Wasserschloss Herten. Das Beste kommt zum Schluss – am 3.9.2023.

Buffet mit Schokoladen-Neptun; Sonja Alhäuser © Sonja Alhäuser, VGBild-Kunst

Buffet mit Schokoladen Neptun;  © Sonja Alhäuser, VG Bild-Kunst

Eat-Art-Buffet von Sonja Alhäuser wird ein finales Fest

Der Plan: Ein Fest von, mit und für Herten, ein Zusammentreffen nach der langen Corona-Pause, gemeinsam genießen, gemeinsam Freude teilen. Ein 18 Meter langer Tisch soll dazu für rund 200 Gäste üppig gedeckt sein – mit Pasten, Gemüse, mit Broten vom Hof Wessels, mit Fisch und Fleisch, mit Kuchen, Schokolade, Marzipan … alles ästhetisch arrangiert. Doch im Mittelpunkt stehen nicht die Speisen, sondern der Bezug zum Ort des Geschehens: dem Wasserschloss mit seiner Parkanlage. Manche Hertener kennen vielleicht noch die Orangerie, bevor deren rascher Verfall in den 70er Jahren einsetzte. Die Dachbalustrade zierten damals zwölf beinahe lebensgroße Skulpturen aus der griechischen Mythologie, die der Münsteraner Bildhauer Johann Mauritz Grönninger ursprünglich für den Barockgarten des Adelsgeschlechts von Nesselrode angefertigt hatte. Dem LWL als nachfolgender Besitzer waren Restaurierungsarbeiten an der Orangerie schnell zu teuer. Er lagerte die erhalten gebliebenen Abgüsse sowie Original-Fragmente im Kloster Dalheim ein, dem hauseigenen Landesmuseum für Klosterkunde, bis die Stadt Herten Eigentümer wurde.

„Wenn man nicht wusste wohin damit, lagerte man Material im ZBH“

„Euch gehört nun der Schlosspark, euch gehören auch die Skulpturen.“ Nach diesem Motto habe der LWL die Orangerie-Fragmente der Stadt Herten übergeben, erinnert sich Berthold Vatteroth von der Denkmalbehörde. Doch wohin damit? Die Orangerie war schließlich nur noch eine Ruine, dem Vandalismus preisgegeben. Vatteroth: „Wenn man nicht wusste wohin damit, wurden Materialien immer beim Zentralbetriebshof (ZBH) eingelagert.“ Beispiel: die Alte Post in Langenbochum, ein Fachwerkhaus, dessen auseinandergebaute Balken im ZBH archiviert wurden. Die Idee, daraus ein Kassenhäuschen im Backumer Tal zu bauen, sei verworfen worden, aber das ist eine andere Geschichte. 

Machbarkeitsstudie machte Pläne zum Orangerie-Wiederaufbau zunichte

Auch der Wiederaufbau der Orangerie scheiterte. Als das Mauerwerk zu Zeiten der Kulturhauptstadt 2010 restauriert wurde, habe das Architekturbüro Pfeiffer Ellermann Preckel aus Münster eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, wie eine sogenannte kritische Rekonstruktion aussehen könnte, so der Denkmalschutzbeauftragte. Dabei werden – anders als bei einer exakten Kopie – nur Teile früherer Merkmale beim Wiederaufbau übernommen, aber auch neue Materialien verwendet. Hieß in diesem Fall: „Fensterachsen, Dachform, die ganze Kubatur sollte übernommen werden, nur in schlichterer Form“, so Vatteroth, „optimistisch geschätzter“ Kostenpunkt damals: Zwei Millionen Euro. Für den Förderverein, der damals mühsam Gelder beschaffte, kaum machbar, urteilt Vaterroth heute. 

Künstlerin Alhäuser weckt Skulpturen für Bankett aus Dornröschenschlaf

Die Skulpturen der einstigen Orangerie-Attika ereilte das gleiche Schicksal wie die Alte Post: Sie schlummerten jahrelang im Dornröschenschlaf am ZBH vor sich hin, bis Künstlerin Sonja Alhäuser und Projekt-Kuratorin Katrin Wegemann von der Initiative STADT.KUNST sie im Frühjahr von Staub und Stroh befreiten. Fragmente des Weingottes Bacchus sowie der Torso und Repliken des Herkules, der in der griechischen Mythologie seinem Bruder zwölf Jahre lang dienen musste, weil er dem Wahnsinn verfiel und seine Kinder tötete, sind auserwählt und werden nun auf dem Buffet im Mittelpunkt stehen. Zwölf Aufträge hatte Herkules zu erfüllen. Der erste und der letzte, das Bezwingen eines übernatürlich starken Löwen und das Überführen einer heiligen Hirschkuh ohne sie zu erlegen, bilden nun den Rahmen des Kunstwerks. Den Löwenkopf etwa wird Alhäuser als riesigen Kuchen auftischen, das schützende Gewand, das Löwenfell, als Tuch drapieren, die Mordwaffe, eine Keule, aus Butter nachziehen. 

Hertener Wappen wird aus Marzipan nachgebildet

„Die Figuren werden vor Ort mit Essbarem komplettiert“, sagt Alhäuser, allerdings nicht eins zu eins. „Ich werde nicht alle Arme und Beine hinzufügen können, eher rudimentär arbeiten, sodass man mehr über die Figur erfährt.“ Hinzu komme neue Imagination, die sie aus der Umgebung des Wasserschlosses ziehe: Dazu zähle etwa die Tierwelt. So werden heimische geräucherte Forellen das Bankett ebenso bereichern wie gebratene Enten, denn einen Forellenteich habe es mit Sicherheit am Schloss gegeben. Auch Marzipanornamente mit dem Hertener Wappen plant die Bildhauerin ein. Dafür baut sie gerade lebensmittelechte Silikonformen in Eigenregie: „Wie bei einer Backform kann man daraus einzelne Fragmente wie zum Beispiel ein Hirschgeweih herauspressen und damit spielen.“ Ihr Plan: der Stadt Herten diese Silikonformen im Anschluss zu schenken – mit der Bitte, dass diese nicht in einer Kiste im ZBH enden mögen, sondern weiterhin in Herten für viel Freude sorgen. 

(Text Ina Fischer)

Info:

Treffpunkt: Sonntag, 3. September um 13 Uhr an der Orangerie, Im Schlosspark 1, in 45699 Herten.

Der Eintritt und das Buffet sind kostenlos, es wird aber bis zum 27. August um Anmeldung gebeten unter: stadtkunst@t-online.de

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